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Bild KI-generiert.

Lokaljournalismus lebt von Menschen, die unsere Region kennen.2026-08-20

Gemeinsamer Brief an DuMont

Die Kölner Stadt-Anzeiger Medien stellen ihre lokale Berichterstattung neu auf. Die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG), zu der auch die Lokalredaktion im Kreis Euskirchen gehört, soll zum 30. September aufgelöst werden. Insgesamt sind 57 Vollzeitstellen im Rheinland betroffen. Künftig sollen lokale Inhalte verstärkt von digitalen „Regio-Teams“ erstellt und für die verschiedenen digitalen Angebote sowie die gedruckte Zeitung aufbereitet werden. Dabei soll auch Künstliche Intelligenz stärker zum Einsatz kommen.

Nach Angaben des Unternehmens sollen die neuen Regio-Teams weiterhin in den Regionen präsent sein. Wie diese Präsenz konkret aussehen und wie viele Journalistinnen und Journalisten künftig tatsächlich vor Ort arbeiten werden, ist bislang jedoch offen.

Diese Entwicklung sehen der CDU-Kreisverband Euskirchen und die CDU-Kreistagsfraktion Euskirchen mit Sorge. In einem gemeinsamen Schreiben an Herrn DuMont Schütte machen Partei und Fraktion deshalb deutlich, warum ein unabhängiger und vor Ort verankerter Lokaljournalismus gerade für die politische Öffentlichkeit unverzichtbar ist.

Für eine lebendige Demokratie braucht es Journalistinnen und Journalisten, die politische Entscheidungen kritisch begleiten, unterschiedliche Positionen sichtbar machen, Hintergründe kennen und Entwicklungen einordnen. Gerade in einer vielfältigen und ländlich geprägten Region wie dem Kreis Euskirchen ist dafür die Präsenz vor Ort von besonderer Bedeutung.

Wir appellieren deshalb an die Verantwortlichen, bei der Neuaufstellung nicht nur organisatorische und wirtschaftliche Fragen, sondern auch die langfristigen Folgen für die journalistische Präsenz und die Arbeitsplätze in unserer Region zu berücksichtigen.

 

Das vollständige Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr DuMont Schütte,

Demokratie braucht Öffentlichkeit. Und demokratische Öffentlichkeit entsteht nicht allein dadurch, dass Parteien ihre Positionen veröffentlichen, Verwaltungen Pressemitteilungen verschicken oder politische Akteure über soziale Medien direkt mit den Menschen kommunizieren. Sie braucht unabhängige Journalistinnen und Journalisten.

Für uns als CDU im Kreis Euskirchen ist das ein wesentlicher Punkt in der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft und die angekündigten Veränderungen bei der lokalen Berichterstattung.

Wir sind dabei in einer besonderen Rolle. Als Partei und als Kreistagsfraktion gehören wir zu denen, deren Arbeit von Medien beobachtet, eingeordnet und kritisiert wird. Nicht jeder Artikel gefällt uns. Nicht jede Bewertung teilen wir. Manchmal ärgern wir uns über eine Überschrift, eine Gewichtung oder einen Kommentar. Aber genau das ist der Punkt: Unabhängiger Journalismus ist nicht dazu da, Politik zu gefallen. Er soll nachfragen. Er soll unterschiedliche Positionen sichtbar machen. Er soll Widersprüche aufzeigen und Entscheidungen verständlich machen. Und er soll den Menschen die Informationen geben, die sie brauchen, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Das gilt ganz besonders für die Politik vor Ort.

Viele Entscheidungen, die den Alltag der Menschen unmittelbar verändern, werden nicht in Berlin oder Düsseldorf getroffen, sondern hier in unserer Region. Es geht um Krankenhäuser und Pflege, Schulen und Kindertagesstätten, Straßen und öffentlichen Nahverkehr, Bevölkerungsschutz, wirtschaftliche Entwicklung, Ehrenamt und um die Frage, wofür öffentliche Gelder eingesetzt werden.

Natürlich können wir als CDU erklären, warum wir bestimmte Entscheidungen treffen oder welche politischen Ziele wir verfolgen. Andere Parteien tun dasselbe. Aber Parteikommunikation bleibt Parteikommunikation. Sie kann unabhängige journalistische Berichterstattung weder ersetzen noch sollte sie es versuchen. Deshalb sehen wir mit Sorge, wenn journalistische Strukturen vor Ort kleiner werden bzw. komplett geschlossen werden und immer mehr Aufgaben zentral gebündelt werden und von KI bearbeitet werden.

Der Kreis Euskirchen ist keine homogene Region. Zwischen Weilerswist und Dahlem, zwischen Euskirchen und Hellenthal unterscheiden sich Strukturen, Herausforderungen und politische Debatten erheblich. Wer darüber fundiert berichten möchte, braucht mehr als Informationen aus Presseportalen, Videokonferenzen oder sozialen Netzwerken.

Es braucht Menschen, die diese Region kennen. Journalistinnen und Journalisten, die wissen, welche Vorgeschichte eine politische Debatte hat. Die Ansprechpartner kennen, Entwicklungen über längere Zeit verfolgen, vor Ort recherchieren und auch einmal nach einer Sitzung nachhaken. Vieles davon lässt sich nicht zentralisieren, ohne dass etwas verloren geht.

Dabei verkennen wir die Veränderungen in der Medienbranche keineswegs. Zeitungen müssen wirtschaftlich arbeiten, Lesegewohnheiten verändern sich und digitale Angebote gewinnen weiter an Bedeutung. Auch Künstliche Intelligenz verändert journalistische Arbeitsprozesse und kann an vielen Stellen sinnvoll unterstützen.

Die entscheidende Frage ist für uns deshalb nicht, ob sich Lokaljournalismus verändern wird. Das wird er. Entscheidend ist, was von ihm erhalten bleiben muss. Aus unserer Sicht gehört dazu zwingend eine ausreichende journalistische Präsenz in der Region. Denn gleichzeitig verändert sich auch die politische Öffentlichkeit. Informationen verbreiten sich innerhalb von Minuten, Behauptungen werden tausendfach geteilt, bevor jemand ihren Wahrheitsgehalt geprüft hat, und politische Diskussionen finden zunehmend in digitalen Räumen statt, in denen Zuspitzung häufig mehr Aufmerksamkeit bekommt als Einordnung.

Gerade deshalb braucht Demokratie journalistische Stimmen, denen nicht Schnelligkeit oder Reichweite allein, sondern Recherche, Einordnung und Verlässlichkeit zugrunde liegen.

Wie wertvoll solche Strukturen sind, hat unser Kreis in den vergangenen Jahren auf besondere Weise erfahren. Während der Flutkatastrophe 2021, aber auch bei anderen außergewöhnlichen Ereignissen, waren Menschen darauf angewiesen, schnell verlässliche Informationen aus ihrer unmittelbaren Umgebung zu bekommen. In solchen Situationen zeigt sich besonders deutlich, welchen Wert regionale Kenntnis und persönliche Netzwerke haben.

Wir möchten Sie deshalb bitten, bei den aktuellen Entscheidungen nicht allein die organisatorischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten einer stärkeren Zentralisierung zu betrachten, sondern ebenso deren langfristige Auswirkungen auf die journalistische Präsenz in unserer Region.

Dazu gehört für uns auch die Frage nach den Menschen, die diese Arbeit heute leisten. Mit den Arbeitsplätzen vor Ort droht im Zweifel nicht nur Personal verloren zu gehen, sondern über Jahre gewachsenes Wissen über unsere Region, ihre Akteure und ihre Zusammenhänge.

Wir wünschen uns, dass es auch künftig genügend Journalistinnen und Journalisten gibt, die bei uns vor Ort genau hinschauen. Deshalb hoffen wir, dass gemeinsam mit den Verantwortlichen und den Beschäftigten Wege gefunden werden, die notwendige Weiterentwicklung journalistischer Angebote mit einer dauerhaft starken redaktionellen Präsenz im Kreis Euskirchen zu verbinden.

Für einen persönlichen Austausch darüber stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen       

Ingo Pfennings                                           Jochen Kupp
Vorsitzender CDU-Kreisverband                            Vorsitzender CDU-Kreistagsfraktion