Wegweisende Entscheidung für die Förderschullandschaft im Kreis Euskirchen: Ausschuss empfiehlt Campus-Neubau in Kuchenheim
Der Ausschuss für Bildung und Soziales hat am 18. November 2025 einstimmig entschieden, der Politik die Variante 3 der aktuellen Vorstudie zur Weiterentwicklung der Förderschulen im Kreis Euskirchen zur weiteren Verfolgung zu empfehlen. Damit erhält die sogenannte Campuslösung am Standort der Matthias-Hagen-Schule Rückenwind. Eine Entscheidung mit großer Bedeutung für die Zukunft der beiden kreiseigenen Förderschulen.
Im Dezember 2025 befassen sich Kreisausschuss und Kreistag abschließend mit der Variante.
Warum überhaupt eine Entscheidung?
Die Förderschulen Matthias-Hagen-Schule (MHS) und Hans-Verbeek-Schule (HVS) stehen seit Jahren vor erheblichen Herausforderungen:
Matthias-Hagen-Schule (MHS)
- Förderschwerpunkte „Lernen“ sowie „emotionale und soziale Entwicklung“
- Gebäude mit massiven baulichen und schadstoffbedingten Mängeln
- Nicht barrierefrei, veraltete Struktur, fehlende Differenzierungs- und Fachräume
- Raumbedarf steigt – SEP prognostiziert künftig 19 Klassen
- Bereits heute deutliche Überbelegung
Hans-Verbeek-Schule (HVS)
- Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“, gebundener Ganztag
- Gebäude durch die Flut 2021 stark geschädigt
- Vier Klassen müssen derzeit in Containern unterrichtet werden
- Zahlreiche Räume zu klein bzw. nicht nutzbar
- Auch hier: Fehlende Klassen-, Differenzierungs- und Fachräume
Die Schulentwicklungsplanung 2024 weist an beiden Standorten deutliche Defizite und einen erheblichen baulichen sowie pädagogischen Handlungsbedarf aus. Die Vorstudie des Kreises analysierte deshalb drei Varianten, um eine tragfähige Lösung zu finden.
Was bedeutet Variante 3?
Variante 3 sieht Folgendes vor:
Neubau beider Förderschulen auf einem gemeinsamen Campus in Euskirchen-Kuchenheim
Direkt an dem Standort, an dem heute die Matthias-Hagen-Schule steht.
Bau moderner, dreigeschossiger Schulgebäude
Mit klarem Fokus auf:
- deutlich mehr Klassen- und Differenzierungsräumen
- modernen Fachräumen (Musik, Werken, Naturwissenschaften, Berufsorientierung)
- Barrierefreiheit
- flexibel nutzbaren Lernlandschaften
Attraktive Außenflächen und ein gemeinsamer Eingangsbereich
Beide Schulen profitieren von den Synergien einer räumlichen Nähe.
Nähe zur Birkenhofklasse bleibt erhalten
Ein großer Vorteil gegenüber der Campuslösung am TEB.
Interimsbedarf
Es wird zwar ein Interim für die MHS benötigt, jedoch – anders als bei Variante 2 – kein vollständiges Interim für die HVS.
Warum Variante 3 die beste Lösung ist – Ergebnisse aus Vorstudie & Beschlussvorlage
Die Vorstudie kommt zu einem klaren Ergebnis:
Variante 3 schneidet in nahezu allen Kategorien am besten ab.
1. Zeit: Schnellste Fertigstellung
- Variante 3: Fertigstellung im günstigsten Fall Ende 2030
- Variante 1: parallel ca. Mitte/Ende 2030
- Variante 2: erst 2035 (!) – abhängig vom Rückbau des Thomas-Eßer-Berufskollegs
Variante 3 ist fünf Jahre schneller als Variante 2.
2. Kosten: Wirtschaftlichste Lösung
Gesamtkosten (ohne Grundstücks- und Betriebskosten):
Variante | Kosten |
|---|---|
| Variante 1 | 57,9 Mio. € |
| Variante 2 | 56,7 Mio. € |
| Variante 3 | 56,5 Mio. € – günstigste Lösung |
Gleichzeitig bietet Variante 3 den höchsten Qualitätsgewinn.
3. Qualitäten & pädagogische Möglichkeiten
Variante 3 erzielt in der Vorstudie die beste Gesamtbewertung:
- Moderne, pädagogisch optimale Lernumgebungen
- Räume mit „Klassenraum-plus“-Konzept
- Bessere Außenflächen
- Hohe Flexibilität für die Zukunft
- Synergien zwischen beiden Förderschwerpunkten
- Nutzung gemeinsamer Fachräume möglich
- Geringere Belastung des laufenden Schulbetriebs als bei der TEB-Variante
4. Geringste Abhängigkeiten und Risiken
- Keine Bindung an den komplexen Zeitplan des Berufskolleg-Neubaus
- Keine jahrelangen Bauarbeiten „Tür an Tür“ mit weiterlaufendem TEB-Betrieb
- Keine jahrelangen Doppelbelastungen durch Rückbau und Neubau bei laufender Nutzung
Politische Bedeutung der Entscheidung
Für die CDU-Kreistagsfraktion ist klar:
Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf verdienen moderne Schulgebäude, zeitgemäße pädagogische Räume und eine Umgebung, die Lernen ermöglicht – nicht verhindert.
Der einstimmige Beschluss im Ausschuss ist daher ein starkes Signal:
- für bessere Bildungschancen
- für mehr Qualität in der sonderpädagogischen Förderung
- für eine zukunftsfähige Infrastruktur
- für Planungssicherheit für Schulen, Eltern und Lehrkräfte
Wie geht es jetzt weiter?
Die weiteren Schritte:
- Dezember 2025:
- Kreisausschuss (10.12.) und Kreistag (17.12.) beraten und entscheiden über Variante 3.
- Ab Anfang 2026:
- Durchführung der Leistungsphase Null
(pädagogische Bedarfe, Raumprogramme, Konzeptentwicklung)
- Durchführung der Leistungsphase Null
- Klärung von Grundstücksfragen
- Kreis und Stadt Euskirchen müssen Verkaufs- und Planungsfragen abstimmen.
- Ausschreibung der weiteren Planungsschritte
Der Zielkorridor bleibt ambitioniert aber realistisch.
Variante 3 ist die modernste, wirtschaftlichste und schnellste Lösung für die Förderschullandschaft im Kreis Euskirchen. Sie schafft einen gemeinsamen Campus, der pädagogische Qualität, räumliche Synergien und eine nachhaltige bauliche Perspektive vereint. Mit dieser Entscheidung wird der Weg frei für eine Förderschulstruktur, die den Kindern und Jugendlichen im Kreis Euskirchen gerecht wird - heute und in Zukunft.
Hier finden Sie alle Unterlagen aus dem Ausschuss zu dieser Thematik.
KS