Viel Wirbel um Vogelsang oder Wie lasse ich einen Mitarbeiter geschickt „im Regen stehen“

Ein Wahlkampf hat seine eigenen Gesetze – das ist sicher. Auf Augenhöhe geführt, gerne auch mit offenem Visier und – wenn es sich nicht vermeiden lässt – bisweilen auch mit harten Bandagen. Das ist durchaus legitim. Gemessen werden die Versprechungen eines Politikers ohnehin an seinen Taten.

Werden die eigenen Versäumnisse aber kaschiert, indem man statt einer sachlichen Darstellung lieber sensationsträchtig-polemische Worthülsen à la „Millionengrab“ & Co. ins Feld führt und lässt man den eigenen Mitarbeiter dadurch beherzt-kalkuliert im Regen stehen, dann zeugt das wahrlich von fehlender Größe.

Frank Weimbs, Kreistagsmitglied und Stellvertretender Vorsitzender der CDU Hellenthal, hat für das von Landrat Günter Rosenke einseitig-medial geschickt inszenierte Beispiel „Vogelsang“ auf der letzten Mitgliederversammlung der CDU Hellenthal einen treffenden Vergleich gefunden, der das Geschehen aus einer anderen Perspektive in den Fokus nimmt:

Angenommen, ein größerer Handwerksbetrieb beschließt im Führungsgremium, den Maschinenpark um eine vollautomatische, computergesteuerte Fräse zu erweitern. Allen Entscheidern ist bewusst, dass diese Anlage sehr kostspielig ist und dass die Einbindung in den bestehenden Maschinenpark mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weitere, jetzt nicht vorhersehbare Kosten nach sich ziehen wird.

Da sich der Chef der Firma, nennen wir ihn Herrn Günter R., darüber im Klaren ist, dass diese Anschaffung mit sehr viel Vorplanungsarbeit verbunden ist und auch die Öffentlichkeit - aufgrund der höchstwahrscheinlich unterstellten Personalreduzierungsabsichten - durch Berichte in der Presse auf den Plan gerufen werden könnte, beschließt er, dieses Projekt an seinen Prokuristen Herrn Manfred P. abzugeben. Hinzu kommt, dass Herr Günter R. weiterhin seine Arbeitszeit für seine gesellschaftlichen Anlässe, wie zum Beispiel diverse Empfänge und Präsentationen nutzen möchte. Herr Manfred P. erarbeitet indes Förderanträge, die besser hätten nicht laufen können. Also wird in der Chefetage mit einstimmigem Votum diese Anlage bestellt. Leider erlässt die Berufsgenossenschaft in der Produktionsphase der neuen Maschine eine neue Verordnung, die zu Mehrkosten führt - einen Bestandsschutz gibt es nicht. Die Ursache und die Konsequenzen werden im Führungsgremium diskutiert, aber es wird einstimmig an dem Projekt festgehalten.

Diese Mehrkosten rufen nun – nicht überraschend - die Presse auf den Plan. Auf Nachfrage beim Chef werden die Pressevertreter an den zuständigen Prokuristen, Herrn Manfred P., verwiesen. Dieser beantwortet sachlich alle ihm gestellten Fragen. In der Zeitung ist später ein Bericht über Personalabbau mit maßloser Verschwendung von Subventionsgeldern zu lesen - schließlich werden ja Fördermittel in Anspruch genommen. Wenig später liest man schon etwas von drohender Insolvenz der Firma.

Chef Günter R. wittert Gefahr und bleibt geschickt in Deckung. Immerhin hatte er zwischenzeitlich entschieden, doch noch weiter die Chefposition inne zu behalten und die ursprünglich gegenüber seinem Prokuristen, Herrn Manfred P., geäußerten Ruhestandsabsichten als nie ausgesprochen zu betrachten. Chef Günter R. fragt sich, wie kann er jetzt die anderen davon überzeugen, dass er der Richtige für die kommenden Jahre ist. Ach ja, die Presse. Also geht Chef Günter R. hin und äußert öffentlich, dass er seine Unterschrift verweigert und die Sache prüft. Seinen Mitarbeiter Manfred P. lässt er damit geschickt „im Regen stehen“.

Gez. Detlef Seif, MdB

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