Interview mit unserem Landratskandidaten Manfred Poth

Das Projekt Vogelsang geht in die entscheidende Runde

 

 

F.: Sie haben als Mitglied der Entscheidungsgremien maßgeblichen Anteil an der bisherigen Entwicklung in Vogelsang. Wo sehen Sie derzeit dieses Projekt?

Poth: Der Standort Vogelsang ist trotz noch nicht vorhandener Ausstellungen seit fast 10 Jahren ein vielbesuchter Bildungs- und Tourismusort in unserer strukturschwachen Eifelregion. Mehr als 1,5 Mill. Menschen haben den Standort besucht und sich über die NS-Zeit informiert oder einfach nur die grandiose Landschaft im Nationalpark Eifel genossen. Pro Jahr nehmen mehr als 40.000 Menschen an den angebotenen Bildungsprogrammen teil. Damit stehen wir hinsichtlich der Besucherzahlen schon jetzt in einer Reihe mit dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, der Wewelsburg, dem Elde-Haus in Köln oder auch dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Schon heute ist Vogelsang aus der Reihe der Gedenk- und Erinnerungsorte nicht mehr wegzudenken.

F.: Und was sagt die Tourismusbranche?

Poth: Vom touristischen Aspekt her möchte ich hier noch einmal festhalten, dass die Besucher zu 50% wegen Vogelsang in die Region gekommen sind und damit auch die touristischen Potentiale der Eifel kennengelernt haben. Die Wertschöpfung beträgt bei einem durchschnittlichen Ausgabeverhalten von 20 € bei 1 Mill. Besucher etwa 20 Mill. €. Bei diesen Zahlen möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass neben den Aktivitäten der Vogelsang ip GmbH sowohl die Bildungsaktivitäten des DRK wie auch der SSV Schleiden und der Kirche im Nationalpark zu diesem beeindruckenden Ergebnis beigetragen haben. Letztlich ist es uns gelungen, bisher etwa 40 Arbeitsplätze zu schaffen und zu verhindern, dass Vogelsang zu einem Wallfahrtsort der Neonazis geworden ist.

F.: Nun war die Presseberichterstattung über Vogelsang in den letzten Wochen nicht gerade positiv…

Poth: Leider! Denn trotz dieser in meinen Augen absolut positiven Entwicklungen schaffen wir es hier im Kreis Euskirchen immer wieder, die kritischen Punkte in der Standortentwicklung in den Vordergrund zu stellen - von der  Meinungsbildung in den Medien der Städteregion Aachen ganz zu schweigen. Schlagzeilen wie "Der Großbaustelle gehen dis Millionen aus" und "Krise im Nationalpark Eifel" oder "Wer stopft Millionenloch in Vogelsang?" mögen sich zwar gut anhören und verkaufen lassen, sind der Standortentwicklung aber alles andere als zuträglich und machen es den Verantwortlichen vor Ort noch schwerer, als es ohnehin schon ist. Deshalb werbe ich sehr dafür, dass wir langsam wieder die Vorzüge der Standortentwicklung in den Fokus rücken und gemeinsam daran arbeiten, dass die Besucherzahlen sich weiter so positiv entwickeln.

F.: Was sagen denn Ihre Kollegen in den Aufsichtsgremien zu dieser veröffentlichten Meinung?

Poth: Die schütteln ein ums andere Mal den Kopf, vor allem, wenn dann auch noch behauptet wird, man sei nicht ausreichend informiert worden. Die Kolleginnen und Kollegen haben mich ausdrücklich beauftragt, zu erklären, dass der Aufsichtsrat sich stets gut informiert gefühlt hat und fühlt. Alle Risiken und Maßnahmen sind zeitnah und transparent im Aufsichtsrat dargestellt und diskutiert worden. Der Aufsichtsrat hält eine angemessene Klarstellung und Zurückweisung offenkundiger Falschdarstellungen für erforderlich. Dies gilt insbesondere für die immer wieder behauptete "Nichtinformation" und die "Vermutung der eingeplanten Förderreserve", deren Existenz  immer wieder von der Geschäftsführung verneint wurde. Der Aufsichtsrat steht voll und ganz hinter der Geschäftsführung!

F.: Nun ist die Finanzierung durch das Land offensichtlich an ihre Grenzen geraten- oder?

Poth: Es ist richtig, dass das Land NRW die eingetreten Mehrkosten bis zu einer Höhe von 3 Mill. € nicht fördern wird. Das ist in der Tat eine zusätzliche Belastung! Die nach der Förderabsage geführten Gespräche mit dem Land auf unterschiedlichen Ebenen stimmen mich wieder etwas optimistischer und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Der Hinweis im Ablehnungsschreiben zur bekannten Deckelung des ursprünglichen Förderbetrages wurde insofern ergänzt, als man grundsätzlich keinen Förderzugang zur Städtebauförderung sehe. Evtl. Ausnahmen seien zwar möglich, aber damit verbunden, dass eine Cofinanzierung durch Bundesstädtebaumittel dann nicht möglich sei. Insofern wolle man keinen Präzedenzfall schaffen.

Trotzdem sehe man landesseitig die Konversion Vogelsang weiterhin positiv und erkenne die bisherige Entwicklung an. Im Übrigen beteilige sich das Land indirekt über die Mietzahlungen des Landesbetriebes für die Nationalparkausstellung  an den Mehrkosten, deren Höhe man für nachvollziehbar und nicht ungewöhnlich halte. Auch wurde signalisiert, dass es zusätzliche Projektförderungen aus anderen Fördertöpfen geben könne. Aber: Eine Rücknahme der Förderabsage wurde grundsätzlich ausgeschlossen.

F.: Wie sehen denn nun die nächsten konkreten Schritte aus?

Poth: Nunmehr gilt es, den bereits definierten Plan B zu realisieren und der Geschäftsführung die Möglichkeit einzuräumen, die auflaufenden Mehrkosten durch Kreditaufnahmen zu finanzieren. Da der aktuell bekannte Mehrkostenbetrag ca. 3,4 Mill. € beträgt, wird  gebeten, nunmehr auch für den Kreis Euskirchen den Beschluss zu fassen und damit die Besicherung bis zu einem Höchstbetrag von 5 Mill. € zu genehmigen. Damit wird die Geschäftsführung in die Lage versetzt, die konkreten Kreditverhandlungen zu führen und die notwendigen noch zu tätigen Aufträge zur Fertigstellung des Gesamtprojektes zu vergeben. Auch wenn die Kreditfinanzierung zu Einsparungen in der Wirtschaftsplanung der Gesellschaft führen wird, liegt mir viel an der Feststellung, dass die Bildungsarbeit auch weiterhin auf hohem Niveau betrieben wird.

F.: Eine gute Fee gesteht Ihnen drei Wünsche für das Projekt zu. Die lauten?

Poth: Lassen Sie uns gemeinsam die notwendigen bildungsorientierten und tourismusorientierten Produkte zur Vermarktung des Standortes schaffen. Lassen Sie uns die positiven Entwicklungen endlich auch entsprechend positionieren. Lassen Sie uns gemeinsam für die Realisierung der weiteren Konversionsprojekte wie DJH-Projekt und NP-Verwaltung einsetzen.

Ich freue mich auf die baldige Eröffnung des Forums Vogelsang und bin davon überzeugt, dass dann Vogelsang die prognostizierte überregionale Bildungs-, Kultur- und Tourismusdestination wird. Wir sollten alle gemeinsam dafür sorgen, dass das Projekt Forum Vogelsang bis zum Jahresende erfolgreich zu Ende geführt wird!

 

Hier finden Sie das Interview im PDF-Format

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